2023 – die ganz große Depression ?

Viele wissen es gar nicht oder erinnern sich nicht mehr: Heute vor gut einem Jahr gab es die letzte große diplomatische Bewegung. In einem an die USA und an deren europäische Verbündete versandten Dokument schlug die Russische Föderation Spektakuläres vor. Z.B. eine umfassende Abrüstung vor allem in Europa. Die sollte eingebettet sein in einen Rückzug aller Nuklearwaffen aus Ost- und Westeuropa (vgl.unter „Die Vorschläge Russlands sind glatt akzeptabel“)..

Die Reaktion aus den USA war glatte Ablehnung und aus Europa war nur polternde Zurückhaltung zu vernehmen. Denen standen, wie sich herausstellte, die Sinne schon längst nach deutlich konkreteren Dingen. Konkret hatte die NATO nämlich längst vorher ihre militärischen Positionen bis an die russische Westgrenze vorgeschoben und die Ukraine seit 2014 acht Jahre lang mit westlicher Waffentechnik und NATO-Personal vollgestopft. Man hatte die Ukraine unter ein russophobes, faschistisches Regime gebracht, deren gesellschaftliche Struktur durchmilitarisiert und im Übrigen voll finanziert.

Die westlichen Garantiemächte der Minsker Verträge, Deutschland und Frankreich, übten sich fleißig darin, die Aufrüstung der Ukraine und deren Terror gegen die ethnisch-russische Bevölkerung  (lt. UNO 14.000 Tote in in den Donbass-Republiken im Zeitraum bis Februar 2022)  zu vertuschen. Aus ihrer Sicht, wie man inzwischen von Frau Merkel im Klartext hören konnte, waren die Minsker Vereinbarungen ohnehin nur dazu da, für die militärische und politische NATO-Angriffsoffensive der Ukraine Zeit zu gewinnen. Der Westen also hatte die russische Führung erfolgreich hinters Licht geführt, geradezu ausgetrickst und war dann spätestens im Dezember 2021 mit 120.000 ukrainischen Soldaten inklusive NATO-Befehlsstruktur an der Demarkationslinie zum Donbass präsent.

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Der Kreml entschloss sich zu handeln. Strategisch eindeutig viel zu spät und taktisch gerade noch hinreichend, wie man in diesen Tagen in einigen Stellungnahmen von dort selbstkritisch hören konnte. Die später offenbarten und in Originalausgabe gefundenen Angriffspläne der ukrainischen Militärs hatten den Beginn auf März 2022 festgelegt. Die seitens Russlands zuvor als eigenständige Staaten anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk und auch die Krim wären durch diese Streitmacht innerhalb weniger Tage überrannt worden.

Der 24. Februar 2022 dann aber, der erste Tag der militärischen Sonderoperation Russlands nämlich, machte der NATO und dem Kiewer Nazi-Regime einen Strich durch die Rechnung und, es mag spekulativ klingen, rettete aber erst einmal die Menschen im Donbass, die auf der Krim und den Bestand der Russischen Föderation.

Mit diesem 24. Februar war qualitativ aber noch weit mehr verbunden: Russland vollzog politisch und ökonomisch eine Abkehr von Europa und eine Hinwendung nach Eurasien. Es stürzte die europäischen Staaten, die über die letzten Monate nur mehr als Vasallen der USA in Erscheinung traten in große Schwierigkeiten: Inflation, Rezession, große Knappheit an Rohstoff- und Energieressourcen. Diese Staaten verschafften sich dann noch zusätzlichen Druck in Gestalt breit angelegter Sanktionen gegen frühere russische Standardimporte.

Putin schwimmt auf einer Erfolgswelle. Seine Popularität ist grandios.

Putin schwimmt noch immer auf einer Erfolgswelle. Seine Popularität ist grandios.

Es zerstob  die Hoffnung des Westens auf den ökonomischen Zusammenbruch und die internationale Isolation Russlands auf dem Hintergrund eigener Schwäche. Stattdessen verschärfte sich der Widerspruch zwischen den europäischen Staaten auf der einen und den USA auf der anderen Seite. Letztere verschafften sich aus der Schwäche der Europäer einen eigenen saisonalen Gewinn. Die Europäer selbst vergrößerten die Widersprüche unter sich.

In einem interessanten Diskussionsbeitrag auf dem international besetzten Forum des Valdai-Clubs analysierte Wladimir Putin im Oktober `22  den Vorgang als einen beginnenden Zusammenbruch der globalen Hegemonie des Westens speziell der USA. Hier die Übersetzung aus dem Russischen von Th. Röper Anti-Spiegel.ru vom 02.11.22 unter „…Russland reicht allen Staaten die Hand“

Mit den dort aufgezeigten Zielen wird ein Kapitel der Schwäche Russlands abgeschlossen, begonnen mit dem Ende der Sowjetunon und der Jelzin-Ära, sowie der erfolgreichen subversiven Offensive der NATO und des globalen Westens. Russland wird nicht mehr auf das Europa der US-Vasallen warten. Ein atemberaubender historischer Paradigmenwechsel, den wir als Bürger Deutschlands allerdings wohl als Verlierer erleben und leider steht das dicke Ende ja wohl noch aus.

Die Abwendung Russlands von Europa ist schmerzhaft v.a. für die westeuropäischen Volkswirtschaften. Die nächsten Jahre werden für die Bevölkerungen dort nicht wie in den 1960er und -70er Jahren eine mehr oder weniger stetige Entwicklung von bescheidener Prosperität. Dieser Schmerz könnte ja, gemessen an dem, was USA und NATO noch alles so für Europa ventilieren, sogar für die meisten als verkraftbar gelten. Wenn da nicht im Pentagon oder in Brüssel über ein atomares Armageddon nachgedacht würde. Ein Fall, der ja bereits dann eintritt, wenn die Sondereinsatzkräfte der USA in Rumänien oder die polnischen Streitkräfte oder die NATO-Truppen im Baltikum die Russische Föderation und ihre Einsatzkräfte attackieren.

Ein Blick auf die aktuelle Lage des Geschehens läßt jedoch noch Platz für einigen Optimismus. Daher hier noch ein Verweis auf eine detailreiche Analyse der militärischen Konfrontation von Rainer Rupp, die u.a. auf der website des Deutschen Freidenker-Verbandes veröffenlicht wurde. Vgl. unter „Ukrainische Wirklichkeit schlägt Medien-Wunschdenken“ .

Heute vor einem Jahr waren wir geradezu euphorisch, als wir das Abrüstungspapier des Kreml in den Händen hielten und es bescheiden als „ganz akzeptabel“ verbreiteten. Dann kam der regierungsoffizielle russophobe Furor ganzjährig auch hier ans Laufen. Die Scholzens, Barbocks, Habecks, Strack-Zimmermanns samt ihrer EU-Kommisson und ihren grünen Medienlaberern haben sich in einer schon fast pathologisch anmutenden Propaganda-Sehnsucht auf den Ruin Russlands gestürzt, daß man fürchten muß, die nehmen uns für ihr mieses Unterfangen in Schutzhaft.

Jetzt könnte 2023 die ganz große Depression bringen.



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